Historisches Stadtspektakel in Kronach Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Schinzel-Lang) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Schinzel-Lang) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Stadt Kronach) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Stadt Kronach) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw)
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Geschichte

Die Viertelmeister-Viertel in der Oberen Stadt Die Obere Stadt – das historische Kronach

 

Als Stadtvogt und Viertelmeister in Kronach noch in Amt und Würde standen, erlebte die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert ihre größte Bedeutung. Da stand dem Gemeinwesen ein Oberbürgermeister vor und auf der Festung Rosenberg hatte ein fürstbischöflicher Beamter, der Amtmann, seinen Sitz. Zu der Zeit war Kronach Amtshauptmannschaft im Hochstift Bamberg und war mit seiner umwallten Oberen Stadt und der Festung das nördliche Bollwerk des katholischen Hochstiftes zu den protestantischen Nachbarn.

Stadtvogt und Viertelmeister erreichten in Kronach während der Renaissancezeit und dem Barock ihr höchstes Ansehen. Um 1500 begegneten sie in den Gassen und Plätzen den jungen Lucas Cranach, der später in Wittenberg zu einer einflussreiche Persönlichkeit heranreifte und Martin Luther mit Rat und Tat zu Seite stand.

Im Dreißigjährigen Krieg waren es die Viertelmeister, die in ihren Vierteln die Verteidigungsbereitschaft auf ihren Stadtmauerabschnitten organisierten und dafür sorgten, dass die Schweden nicht in die Stadt gelangten. Sicherlich war es auch ein Viertelmeister, der während einer Belagerung mit einer Housnkuh auf der Stadtmauer spazieren ging, um den Schweden eine ausreichende Lebensmittelversorgung innerhalb der Mauern vorzutäuschen. Die Täuschung gelang, die Schweden zogen ein weiteres Mal ab.

Der Stadtvogt, dessen Amt, wie auch das der Viertelmeister, mit der Eingliederung des Hochstiftes in das Königreich Bayern im Jahre 1803, überflüssig wurde, agierte in hochstiftlicher Zeit im Auftrag des Fürstbischofen von Bamberg mehr oder weniger als Kontrolleur der bürgerlichen Stadtführung. Er nahm regelmäßig an den Ratssitzungen teil, die er auch leitete. Er saß dem Stadtgericht, das in Zivilangelegenheiten und geringeren Straftaten entschied, vor und konnte Geldbußen nach seinem Ansinnen festlegen, was des Öfteren zu Beschwerden in Bamberg führte. Die Einhaltung der Markt- und Handwerksordnungen hatte er genauso zu überwachen, wie die Einhaltung des Braurechts.

Diese Aufgabe teilte er mit den Viertelmeistern, die dafür zu sorgen hatten, dass das Bier „gut, rechtschaffen, zeugig und trinckig“ die Bierkeller der Oberen Stadt verließ. Von dort wurde Kronacher Bier in die Dörfer und Gemeinden der Amtshauptmannschaft geliefert. Eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt, die auf dem so genannten Bierprivileg beruhte. Heute lassen Stadtvogt und Viertelmeister dieses Privileg im Juni, am Schmäuß-Tag, jährlich einmal aufleben.

Der „moderne“ Stadtvogt und seine Viertelmeister, die es in Kronach seit 1996 wieder gibt, beschäftigen sich im 21. Jahrhundert überwiegend mit der Organisation der historischen Tage: dem Melchior-Otto-Tag im Januar, dem Viertelmeister-Tag im April, dem Schmäuß-Tag Mitte Juni und dem Historischen Stadtspektakel Ende Juni. Gemeinsam wird an diesen Tagen mit den historischen Gruppen in der Oberen Stadt das hochstiftliche Kronach zum Leben erweckt. Wer zu diesen Veranstaltungen in die fränkische Stadt im Frankenwald kommt, kann hautnah spüren, wie Bürger ihre Geschichte leben.

Hans Götz, Stadtvogt von Kronach

 

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